Harnblasenkarzinom

1. Allgemeines

2. Symptome

3. Diagnostik

4. Therapie

5. Kontrolluntersuchungen

6. Selbsthilfegruppen/Fachverbände


Deutscher Forschungsverbund Blasenkarzinom e.V.

 

1. Allgemeines

Das Harnblasenkarzinom stellt 2% aller bösartigen Tumoren des Menschen dar. Männer sind etwa 3x häufiger als Frauen betroffen. Das mittlere Alter bei Entdeckung eines Harnblasenkarzioms beträgt 65-70 Jahren. Bei Erstdiagnose haben etwa 75% der Patienten ein oberflächliches Harnblasenkarzinom, 20% einen muskelinvasiven Tumor und 5% ein bereits fortgeschrittenes Stadium mit Bildung von Tochtergeschwülsten in Organen wie z.B. Lunge, Leber, Knochen, Gehirn oder Lymphknoten.

1.1. Primäre Blasentumore

Als solche bezeichnet man Tumore, die zuerst in der Harnblase selbst entstehen. Dort können sie einzeln oder mehrfach vorkommen und zu unterschiedlichen Beschwerden führen.

1.2. Sekundäre Blasentumore (Metastasen)

Folgende Tumorarten können durch Streuung über den Blut- oder Lymphweg zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) in der Blase führen: Mamma-, Magen-, Bronchialkarzinom, Melanom der Haut. In seltenen Fällen werden zuerst die Metastasen dieser Tumore in der Blase entdeckt.

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2. Symptome

Häufigstes Symptom ist das schmerzlose Auftreten von sichtbarem Blut im Urin (Makrohämaturie). Ferner können Beschwerden, wie z.B. bei einem Harnwegsinfekt mit Brennen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen tags und nachts, Drangsymptomatik und unwillkürlicher Urinverlust auftreten. Durch Wachstum eines Tumors in der Nähe der Harnleitermündungsstellen in der Blase kann es zu einer Abflußbehinderung des Urins aus diesem Harnleiter und der dazugehörenden Niere kommen. Dies kann einseitig, aber auch beidseitig vorkommen. Dies kann zu ein- oder beidseitigen Flankenschmerzen führen. Bei Vorliegen eines von der Blase in die Nieren aufsteigenden Harnwegsinfektes kann deshalb auch Fieber und Schüttelfrost auftreten. In einigen Fällen kann ein Blasentumor aber auch gar keine Beschwerden verursachen und wird nur als Zufallsbefund z.B. im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung entdeckt.

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3. Diagnostik

Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Dazu sollten die Ergebnisse sämtlicher von Hausarzt, Urologen oder von anderen Arztkollegen veranlassten Untersuchungen, einschließlich aller schriftlichen Befunde und Röntgenbilder mitgebracht werden. Nach einer körperlichen Untersuchung (beim Mann einschließlich der rektalen Abtastung der Prostata) erfolgen eine Blutabnahme sowie die Untersuchung des Urins einschließlich einer Sonographie von Nieren, Blase, Restharn, des Bauchraumes und ggf. der Prostata (transrektal).

Eine Röntgenuntersuchung mit Gabe von Röntgenkontrastmittel über eine Vene (Ausscheidungsurogramm: Darstellung der Nieren, Harnleiter und Blase) dient der Überprüfung möglicher Erkrankungen der genannten Organe: z.B. Steine, Entzündungen, Tumoren, Anomalien. Falls bei Ihnen Allergien, insbesondere gegen Röntgenkontrastmittel bekannt sind, sollten Sie dies dem untersuchenden Arzt mitteilen. Falls Sie einen Allergie-Paß besitzen, sollten Sie diesen Ihrem untersuchenden Arzt vorlegen.

Zur Diagnosesicherung kann eine Harnröhren- und Blasenspiegelung erforderlich sein. Diese erfolgt in Rückenlage in örtlicher Betäubung und wird in der Regel vom Patienten gut toleriert. Dabei kann gleichzeitig eine Spülprobe aus der Harnblase (Blasenspülzytologie) gewonnen werden. Diese wird unter dem Mikroskop auf Tumorzellen untersucht.

Bei fortgeschrittenen Blasentumoren (Einwachsen in die Blasenmuskulatur) oder Bildung von Tochtergeschwülsten in verschiedenen Organen können folgende Untersuchungen zusätzlich erforderlich werden:

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4. Therapie

4.1. Therapie oberflächlicher Harnblasenkarzinome

Zunächst erfolgt die transurethrale (durch die Harnröhre) Abtragung des/der Blasentumors/e mittels elektrischer Schlinge unter Sicht. Ferner erfolgt eine zusätzliche Entnahme von Gewebe aus Bezirken der Blase, welche mit dem bloßen Auge eine unauffällige Blasenschleimhaut aufweisen. An solchen „unauffälligen“ Stellen können winzige Tumoren oder deren Vorstufen bereits vorhanden sein. Der Eingriff erfolgt in rückenmarksnaher Teilnarkose oder in Vollnarkose. Am Ende der Operation wird ein Blasenspülkatheter eingelegt, der in der Regel am nächsten Tag entfernt wird.

Das  im Rahmen der Operation gewonnene Material wird feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht. Das Ergebnis beinhaltet die Festlegung ob der „Tumor“ gutartig oder bösartig ist. Bei Vorliegen eines bösartigen Tumors wird die Tumorausdehnung (Tumorstadium: oberflächlich oder muskelinfiltrierend) sowie das Ausmaß der Bösartigkeit (Grade1-4) bestimmt.

Bei oberflächlichen Tumoren kann die erste Operation zur Gewebeabtragung und Diagnosesicherung auch bereits die Therapie beinhalten. In manchen Fällen muß zur Bestimmung der endgültigen Tumorausdehnung nach 3-4 Wochen eine nochmalige Abtragung des Tumorgrundes (Nachresektion) erfolgen. In Abhängigkeit der Befunde kann die Durchführung einer Instillationsbehandlung von bestimmten Medikamenten (Chemotherapeutika: z.B. Mitomycin C, Adriamycin, Epirubicin oder Immunstimulantien: z.B. BCG) in die Blase zur Verhinderung des erneuten Auftretens eines Blasentumors erforderlich sein. Diese Therapie erfolgt in der Regel ambulant durch den zuweisenden Urologen. Wichtig sind in jedem Falle die sorgfältige Durchführung regelmäßiger Kontrolluntersuchungen durch den betreuenden Urologen (einschließlich regelmäßiger Blasenspiegelungen), um das Auftreten eines Rezidivtumors rechtzeitig zu erkennen.

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4.2. Therapie muskelinfiltrierender Harnblasenkarzinome

4.2.1. Radikale operative Entfernung der Harnblase und Harnableitung

Bei einem muskelinvasiven Blasentumor ohne Vorliegen von Tochtergeschwülsten oder bei bestimmten Formen von oberflächlichen, rezidivierenden (wiederaufgetretenen) Blasentumoren ist die komplette Entfernung der Blase einschließlich der nachfolgend beschriebenen Organe notwendig:

In der Regel erfolgt vor einer kompletten Entfernung der Harnblase eine erweiterte Diagnostik, wie unter Absatz 1.5. beschrieben.

Die Entfernung der Blase (Zystektomie) wird unter Betrachtung aller relevanter Befunde zusammen mit dem Patienten und falls gewünscht auch mit seinen Angehörigen, den Narkoseärzten (Anästhesisten) und ggf. Chirurgen besprochen. Die Technik des Eingriffes ist standardisiert. Die Art der Harnableitung hängt von den prä- und intraoperativen Befunden sowie dem Wunsch des Patienten ab. Prinzipiell gibt es hierbei folgende Möglichkeiten:

Trockene (kontinente) Harnableitungen:

Nasse (inkontinente) Harnableitungen:

4.2.2. Bestrahlung ohne oder mit Chemotherapie (Radiochemotherapie)

Manche Patienten kommen für eine operative Entfernung der Harnblase aufgrund ihres allgemeinen Gesundheitszustandes nicht in Frage oder lehnen die Operation ab. Bei diesen Patienten kann eine lokale Bestrahlung der Blase einschließlich ihrer lokalen Lymphabflusswege erfolgen. Dazu erfolgt zunächst eine nochmalige transurethrale Resektion des Blasentumors, um möglichst viel Tumor vor Beginn der Bestrahlung zu entfernen. Die Bestrahlung erfolgt von außen (perkutan), meist ambulant und unter Zugabe eines Chemotherapeutikums (Radiochemotherapie, z.B. mit Cisplatin oder Gemcitabine). Die Behandlung erfolgt in der Regel täglich über 6 Wochen, Montag bis Freitag mit einer Pause an den Wochenenden.

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4.3. Therapie des metastasierten Harnblasenkarzinoms

Bei Vorliegen einer metastasierten Erkrankung, d.h. bei Auftreten von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Organen des Körpers (Leber, Lunge, Knochen, Gehirn) oder in Lymphknoten erfolgt meist zunächst eine Chemotherapie. Diese besteht in der Regel aus der Gabe von mehreren Substanzen (Chemotherapeutika: z.B. Gemcitabine/Cisplatin (Carboplatin), Taxane/Cisplatin (Carboplatin) oder Methotrexat/Vinblastin/Adriamycin/Cisplatin = MVAC-Schema) in einer bestimmten Reihenfolge (Zyklus). Jeder dieser Zyklen wird in einem bestimmten Rhythmus wiederholt. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen mittels Computertomografie (Röntgenschichtbilder) und ggf. Knochenuntersuchungen (Skelettszintigrafie) dienen hierbei der Therapiekontrolle. Im Verlauf der Therapie kann der Wechsel des Therapieschemas notwendig sein. Ferner kann die lokale Bestrahlung einer Metastase, z.B. zur Schmerzlinderung, erforderlich sein. Grundsätzlich sollte die Behandlung einer fortgeschrittenen Blasentumorerkrankung in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, dem niedergelassenen Urologen/Onkologen und dem Krankenhaus erfolgen. Ziel ist es, dem Patienten so lange wie möglich das Leben zu Hause, im Idealfall zusammen mit seinen Angehörigen, zu ermöglichen.

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5. Kontrolluntersuchungen

Bei jedem Patienten, der wegen eines bösartigen Harnblasentumors behandelt wurde oder wird, sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durch einen Facharzt für Urologie erfolgen.

Bei Patienten mit oberflächlichen Harnblasentumoren bestehen diese u.a. aus regelmäßigen Harnröhren- und Blasenspiegelungen sowie Ultraschall und ggf. Röntgenuntersuchungen. Bei Patienten, bei denen die Harnblase vollständig entfernt wurde, sind neben Ultraschall- und Laboruntersuchungen auch Computertomografien und ggf. Knochenuntersuchungen (Skelettszintigrafien) und Spiegelungen der Ersatzblase (1x/Jahr ab dem 4. Jahr) notwendig.

Wichtig ist das sorgfältige Ausfüllen des Nachsorgekalenders, aus dem die bisherige Therapie und die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen ersichtlich sind. Patienten mit Entfernung der Harnblase und Anlage einer Ersatzblase sollten diesen am besten stets bei sich tragen. Die Kenntnis der Form der Harnableitung ist für die Versorgung des Patienten im Notfall wichtig für den behandelnden Arzt (z.B. Notarzt).

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6. Selbsthilfegruppen/Fachverbände

Zusätzlich zu der Betreuung durch Ihren Hausarzt, Urologen und Stoma-Therapeuten besteht für Sie u.a. die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu den nachfolgend genannten Selbsthilfegruppen bzw. Fachverbänden. Im Gespräch durch Mitpatienten besteht für Sie die Möglichkeit, sich besser zu informieren und mit Ihrer Erkrankung und der Stomaversorgung besser umzugehen. 

Deutsche ILCO e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Landshuter Straße 30
D-85356 Freising
Tel.: 08161/934301 oder 934302

Selbsthilfegruppe Blasenkrebs München
Leitung: Hr. Wagenlehner, Tel. 089-14151454, kh.wagenlehner@t-online.de
und Fr. Knoch, Tel. 089-750621, uli.knoch@freenet.de

Selbsthilfegruppe „Stoma und Inkontinenz“
Leitung: Christel und Karl-Heinz Trenz
Am Hart 1d
D-85375 Neufahrn
Tel.: 08165/60070

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