Erkrankungen der Harnröhre
An der Urologischen Klinik werden sämtliche Erkrankungen der Harnröhre der Frau und des Mannes behandelt. Das operative Spektrum reicht von minimal invasiven endoskopischen Techniken bis hin zu aufwändigen, rekonstruktiven Operationen. Wir bieten auch den Einsatz des Lasers bei ausgewählten Erkrankungen der Harnröhre an. Patienten mit Harnröhrenerkrankungen können sich in unserer allgemeinurologischen Sprechstunde beraten lassen.
I Anatomie
II Erkrankungen der Harnröhre und ihre Behandlung
1. Harnröhrenengen (Strikturen)
3. Angeborene Mißbildungen der Harnröhre
I Anatomie
1. Mann
Die männliche Harnröhre ist etwa 20 bis 25 cm lang. Man unterscheidet mehrere Abschnitte. Direkt nach der inneren Harnblasenöffnung (Ostium urethrae internus) schließt sich die prostatische Harnröhre an (Pars prostatica ). Sie mißt 3 bis 3,5 cm und hier münden die Samenspritzkanälchen (Ductus ejaculatorii) aus den Samenbläschen und Samenleitern auf dem Samenhügel (Colliculus seminalis). Unterhalb der prostatischen Harnröhre bildet sich der willkürliche Blasenschließmuskel (Musculus spincter urethrae) aus, man bezeichnet diesen Abschnitt als membranösen Anteil der Harnröhre (Pars membranacea ). Der folgende Abschnitt ist etwas erweitert und wird als bulbäre Harnröhre bezeichnet, hier münden nochmals kleinere Drüsengänge die im Rahmen der sexuellen Aktivität Sekret in die Harnröhre abgeben. Nun schließt sich der längste Teil der männlichen Harnröhre an, die penile Harnröhre. Sie endet in der äußeren Harnröhrenmündung (Ostium urethrae externus), welche im Normalfall ein vertikal gestellter Schlitz ist.
Die prostatische Harnröhre ist mit Urothel ausgekleidet, einer hochspezialisierten mehrschichtigen Zellage, welche die gesamten ableitenden Harnwege auskleidet. Nahezu der gesamte Rest der Harnöhre, bis kurz vor der äußeren Mündung, ist mit einer unspezifischen mehrlagigen Zellschicht bedeckt, die durch prismatisch aufgerichtete Zellen imponiert. Das äußere Ende der Harnöhre ist schließlich mit einer ebenfalls mehrlagigen Schicht von flachen Zellen ausgekleidet.
2. Frau
Die weibliche Hanröhre mißt 2,5 bis 4 cm. Direkt im Anschluß an die innere Harnröhrenöffnung findet sich der willkürliche Blasenschließmuskel. In einem nach oben ziehenden Bogen mündet sie schließlich in der äußeren Harnröhrenmündung.
II Erkrankungen der Harnröhre und ihre Behandlung
1. Harnröhrenengen (Strikturen)
Engen der Harnröhre sind in den meisten Fällen erworben und nur selten angeboren. Sie können einerseits durch Harnröhrenentzündungen und andererseits durch Verletzungen im Rahmen operativer Eingriffe, Kathetereinlagen, Blasenspiegelungen und Fremdkörper verursacht werden.
Wird eine bestehende Enge, die den Harnabfluß aus der Blase erschwert, nicht therapiert, kann es mittelfristig zu Komplikationen kommen. Immer wiederkehrende Harnwegsinfektionen, Entstehung einer schlaffen Blase mit zunehmenden Harnstau der Nieren und Einschränkung der Nierenfunktion. Akute Probleme sind Harnstrahlabschwächung, gehäufter Harndrang mit erschwerter Blasenentleerung, verlängerte Entleerungszeit, bis hin zum Harnverhalt.
Strikturen sind beim Mann überwiegend in der bulbären Harnröhre lokalisiert, bei Frauen sind Harnröhrenengen ein seltenes Krankheitsbild.
Primär können die Strikturen durch die Harnröhre hindurch mit oder ohne Sicht geschlitzt werden (Urethrotomia interna).
Bei sehr kurzstreckigen ringförmigen Verengungen kann der narbige Teil der Harnröhre durch eine offene Operation ausgeschnitten und die beiden Absetzungsränder wieder miteinander vereinigt werden (End-zu-End-Anastomosierung).
Bei wiederkehrenden längerstreckigen Strikturen ist es möglich den gesamten narbigen Anteil zu entfernen, und anschließend mittels Mundschleimhaut, welche im gleichen operativen Eingriff entnommen wird, einen neuen Harnröhrenabschnitt aufzubauen und in den Defekt einzunähen (Mundschleimhautplastik).
Harnröhrenengen an der äußeren Harnröhrenmündung (Meatusstenose ) betreffen beide Geschlechter. Therapeutisch ist eine einfache Schlitzung oder eine kleine plastische Korrektur durch Ausnähung der Harnröhrenschleimhaut möglich.
2. Infektionen
2.1. Harnröhrenentzündungen (Urethritis)
Eine Urethritis kann durch eine Vielzahl unterschiedlicher Keime hervorgerufen werden. Neben Erregern von Geschlechtskrankheiten, wie Gonokokken, Chlamydien, Ureaplasmen und Mykoplasmen, können auch unspezifische Bakterien und Pilze eine Harnröhrenentzündung auslösen.
Therapie der Wahl ist die Gabe von Antibiotika, die sich am auslösenden Keim orientiert. Eine erfolglose oder unterlassene Thepie kann als Komplikation eine Harnröhrenstriktur (siehe Abschnitt B 1) nach sich ziehen. Eine Mitbehandlung der Partnerin oder des Partners ist zwingend notwendig.
2.2. Feigwarzen (Condylomata accuminata)
Hierbei handelt es sich um eine sexuell übertragbare Infektion, die durch Viren ausgelöst wird (Humanes Papilloma Virus, HPV ). Außer in der Harnröhre können die auftretenden Warzen auch am äußeren Genitale lokalisiert sein. Eine Entfernung in der Harnröhre erfolgt durch Laserverschorfung der sichtbaren Warzen. Auch bei gewissenhafter und korrekter Behandlung haben die Feigwarzen eine hohe Häufigkeit wiederzukehren. Eine Untersuchung der Sexualpartnerin, und gegebenenfalls Behandlung, ist ebenfalls nötig.
3. Angeborene Mißbildungen der Harnröhre
3.1. Hintere Harnröhrenklappen
Diese sind beim männlichen Säugling und Neugeborenen die häufigste einengende Fehlbildung. Es handelt sich um Schleimhautfalten, welche in der prostatischen Harnröhre lokalisiert sind, und im Rahmen der Blasenentleerung durch einen Ventilmechanismus die Entleerung erschweren oder sogar unmöglich machen können. Um schwerwiegende Folgekomplikationen am Harntrakt, bis hin zum Nierenversagen, zu vermeiden ist eine Behandlung notwendig. Die Therapie besteht in der Entfernung der Klappen. Je nach Ausprägung und Schweregrad der Folgeerscheinungen am oberen Harntrakt, kann die Korrektur durch die Harnröhre hindurch erfolgen oder aber einen offenen chirurgischen Eingriff nötig machen, vor allem wenn begleitende Fehlbildungen des Urogenitaltraktes vorliegen.
3.2. Vordere Harnröhrenklappen
Vordere Harnröhrenklappen sind selten und erschweren ebenfalls die Blasenentleerung. Die Therapie erfolgt durch transurethrale Verödung der Klappen.
3.3. Hypospadie
Bei dieser Fehlbildung liegt die äußere Harnröhrenmündung atypisch auf der Vorderseite des Penis. Je nach Ausprägung kann die atypische Mündung zwischen Eichel und Ansatz des Hodensackes, beziehungsweise am Damm liegen.
Aus psychologischen Gründen sollte die Hypospadie korrigiert werde, bevor die Kinder eingeschult werden. Dabei kommen offene chirurgische Verfahren zum Einsatz.
3.4. Epispadie
Hier endet die Harnröhrenmündung am Rücken des Penis, zwischen Eichel und Beckenknochen. In Einzelfällen kann der gesamte Penis gespalten sein. In einem hohen Prozentsatz ist die Epispadie mit einer Harninkontinenz vergesellschaftet. Auch hier ist eine offene operative Korrektur, möglichst vor der Einschulung, nötig.
4. Tumoren
Bösartige Tumoren der Harnröhre sind selten, sie sind meist mit Tumoren der Harnblase vergesellschaftet.
Bei Frauen kann man begrenzt und oberflächlich wachsende Tumoren eventuell durch eine lokale Ausschneidung der Geschwulst behandeln. Bei ausgedehnteren Tumoren ist eine totale Entfernung der Harnröhre und Harnblase notwendig.
Ist bei Männern ein Harnröhrentumor lokal nicht zu behandeln, ist je nach Lage des Tumors, eine Teil- oder Totalmputation des Penis notwendig. Liegt der Tumor im Bereich der prostatischen Harnröhre, ist eine totale Entfernung von Prostata und Harnblase nötig.